Staut sich Wasser im Kellerablauf, ist die Grundleitung oft schon jahrelang verengt. Bis es so weit ist, haben sich in der Leitung häufig über viele Jahre Rückstände angesammelt. Weitere Warnzeichen finden Sie in der Liste weiter unten. Eine Hochdruckspülung entfernt solche Ablagerungen allein mit Wasser. Wie oft sie nötig ist, zeigt am besten eine Kamerainspektion der Leitung.
Woran erkennen Sie, dass der Kanal gereinigt werden muss?
Über die Grundleitung unter dem Gebäude gelangt sämtliches Abwasser aus Küche und Bad, häufig auch das Regenwasser vom Dach, in den öffentlichen Kanal. Dabei lagern sich vor allem Fett und Sand an den Rohrwänden ab. Die Leitung wird dadurch allmählich enger: Es bleibt weniger Platz für das Wasser, und es fließt langsamer ab. Das führt dazu, dass sich noch mehr Schmutz absetzt und die Engstelle weiter zunimmt.
- Wasser in Keller- oder Erdgeschossabläufen fließt nur langsam ab
- Beim Abpumpen der Waschmaschine gluckert es im Waschbecken
- Bodenabläufe oder der Revisionsschacht verbreiten fauligen Geruch
- Im Schacht steht Wasser, auch wenn kein Gerät in Betrieb ist
- Gleich mehrere Abflüsse zeigen Probleme
Wenn lediglich ein Abfluss verstopft ist, liegt die Ursache in der Regel unmittelbar dahinter. Betrifft es mehrere Abläufe, steckt das Problem wahrscheinlich in der gemeinsamen Leitung. In älteren Stadtteilen wie Linden oder der List sind noch zahlreiche Steinzeugleitungen verbaut. Dort dringen neben den Ablagerungen oft auch Wurzeln an den Rohrverbindungen in die Leitung ein.
Was passiert bei einer Hochdruckspülung?
Über den Revisionsschacht oder eine Reinigungsöffnung führt der Fachbetrieb einen Schlauch mit einer speziellen Düse in die Leitung ein. Deren Wasserstrahlen zeigen nach hinten. Sie bewegen den Schlauch vorwärts und befördern die gelösten Ablagerungen zurück in den Schacht, wo sie abgesaugt werden. Gegen Wurzeln und hartnäckige Verkrustungen kommen rotierende Düsen oder Fräsköpfe zum Einsatz.
Wie hoch der Wasserdruck sein darf, richtet sich nach Material, Durchmesser und Zustand des Rohrs. Ein gealtertes Steinzeugrohr mit Rissen hält weniger aus als eine neue Leitung aus Kunststoff. Ist der Zustand einer Leitung unbekannt, sollte daher vorher eine Kanal-TV-Untersuchung erfolgen. Mit der Kamera lässt sich vorab feststellen, ob Schäden bestehen, und anschließend kontrollieren, ob die Leitung tatsächlich frei ist.
Hochdruckspülung oder chemischer Reiniger?
Hochdruckspülung
- Arbeitet nur mit Wasser, ohne Chemie
- Säubert den kompletten Rohrquerschnitt
- Befördert Ablagerungen nach draußen, statt sie nur zu verschieben
- Auch für lange Leitungsstrecken geeignet
Chemischer Rohrreiniger
- Wirkt lediglich nahe der Stelle, an der er eingefüllt wird
- Kann Dichtungen und ältere Rohre beschädigen
- Richtet gegen Sand und Wurzeln nichts aus
- Bedeutet eine zusätzliche Belastung für das Abwasser
Wie oft sollten Hausbesitzer ihre Leitungen warten lassen?
Eine verbindliche Frist für die Reinigung privater Grundleitungen existiert nicht. In welchen Abständen eine Spülung sinnvoll ist, hängt davon ab, was in die Leitung eingeleitet wird und wie gut sie erhalten ist.
Empfohlene Prüf- und Wartungsabstände
| Anlage | Richtwert | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Grundleitung Einfamilienhaus, unauffällig | Kamera-Check alle paar Jahre, Spülung bei Bedarf | Verjüngung durch Ablagerungen vermeiden |
| Altbau oder Bäume nahe der Leitung | Prüfung etwa alle 2–3 Jahre | Wurzeleinwuchs früh erkennen |
| Mehrfamilienhaus mit vielen Küchen | eher jährliche Kontrolle | Fett ist der Hauptverursacher |
| Hebeanlage | Wartung jährlich (EFH), halbjährlich (MFH) | Richtet sich nach DIN EN 12056-4 |
| Rückstausicherung | regelmäßige Sichtkontrolle, Wartung laut Hersteller | Die Klappe muss frei schließen |
| Drainage | Spülung etwa alle 1–3 Jahre | Bei lehmigem Boden eher häufiger |
Richtwerte, Stand 2026. Maßgeblich sind die Angaben der Hersteller sowie die örtliche Abwassersatzung.
Im südlichen Teil der Region Hannover finden sich häufig lehm- und lösshaltige Böden. Drainagen setzen sich dort in der Regel rascher zu. Haben Sie ein Haus erworben, dessen Vorgeschichte Sie nicht kennen, sollten Sie als Erstes eine Kamerainspektion beauftragen. Auf dieser Grundlage lässt sich ein passender Wartungsrhythmus festlegen.
Was können Sie selbst für Ihren Kanal tun?
Das Spülen der Leitung sollten Sie einem Fachbetrieb überlassen. Vieles, was der Vorbeugung dient, können Eigentümer jedoch eigenständig erledigen. Meist genügen ein Kontrollgang im Frühjahr und ein weiterer im Herbst. Genauso entscheidend ist es, Fett und Speisereste generell nicht über den Abfluss zu entsorgen.
Kanal-Check in vier Schritten
- Revisionsschacht kontrollierenHeben Sie den Schachtdeckel ab und werfen Sie einen Blick hinein. Das Wasser sollte zügig durch die Rinne ablaufen. Steht es still oder entdecken Sie Fettplatten und Schlamm, wird eine Reinigung notwendig.
- Abläufe in Hof und Keller reinigenZiehen Sie den Schmutzfangeimer aus Gullys und Bodenabläufen heraus und entfernen Sie Laub und Sand. Leeren Sie den Schmutzfangeimer, bevor er vollständig gefüllt ist.
- Rückstauverschluss testenBewegen Sie bei handbetätigten Verschlüssen den Hebel und achten Sie darauf, ob die Klappe vollständig schließt. Lässt sie sich nur schwer bewegen oder sind Ablagerungen erkennbar, sollte ein Fachbetrieb die Anlage begutachten.
- Dachrinnen sauber haltenBefreien Sie Rinnen und Fallrohre im Herbst von Laub. Auf diese Weise gelangt es nicht über die Regenwasserleitung in den Kanal.
Welche Regeln gelten in Hannover für die Dichtheitsprüfung?
Ob eine Leitung dicht ist, lässt sich durch eine Reinigung nicht feststellen. Über Risse oder verschobene Rohrverbindungen kann Abwasser in den Boden gelangen oder Grundwasser in die Leitung eindringen. Für die Dichtheitsprüfung wird der zuvor gereinigte Abschnitt abgedichtet und mit Wasser oder Luft befüllt. Anschließend wird kontrolliert, ob der Druck über einen festgelegten Zeitraum stabil bleibt. Maßgeblich sind die einschlägigen Normen, insbesondere DIN 1986-30 und DIN EN 1610.
Eine landesweit einheitliche Prüffrist für bestehende private Leitungen gibt es in Niedersachsen nicht. Ob und zu welchem Zeitpunkt eine Prüfung gefordert ist, bestimmt die Abwassersatzung der jeweiligen Stadt oder Gemeinde. Typische Anlässe sind etwa Neubauten oder Grundstücke in einem Wasserschutzgebiet. Wenn Sie unsicher sind, erkundigen Sie sich beim zuständigen Abwasserbetrieb.
Wann sollten Sie einen Fachbetrieb hinzuziehen?
Zeigen sich die oben genannten Warnzeichen, sollte spätestens dann ein Fachbetrieb mit Spülgerät und Kamera die Leitung untersuchen. Je länger eine teilweise Verstopfung bestehen bleibt, desto stärker verfestigen sich die Ablagerungen. Bei Starkregen erhöht eine verengte Leitung zudem das Risiko, dass Wasser in den Keller zurückstaut.
Wie viel der Einsatz kostet, hängt in erster Linie davon ab, wie lang der Abschnitt ist und wie stark er verschmutzt ist. Auch eine erforderliche Kamerainspektion fällt ins Gewicht. Ein Notdiensteinsatz in der Nacht oder am Wochenende wird anders abgerechnet als ein vereinbarter Termin. Klären Sie daher im Voraus, welche Leistungen das Angebot umfasst, etwa ob Kamerakontrolle und Protokoll enthalten sind.





