Im Kellerablauf steht Wasser, und Sie fragen sich, wie es um die Leitungen unter dem Gebäude steht. Dieselbe Frage stellt sich, wenn Sie ein Haus kaufen wollen. Eine Kanalinspektion beantwortet sie, ganz ohne Erdarbeiten.
Kanal-TV-Inspektion: Was steckt dahinter?
Eine wasserdichte Kamera wird durch die Abwasserleitung geführt und liefert ihr Bild in Echtzeit auf einen Monitor. Gängige Bezeichnungen sind auch TV-Inspektion, Kamera-Inspektion oder Kamerabefahrung. Der Vorteil: Man sieht das Rohr von innen, ohne Boden, Pflaster oder Kellerwand aufzubrechen. Am Kabel misst ein Meterzähler laufend die Strecke ab dem Einstiegspunkt. In vielen Kameraköpfen steckt außerdem ein Ortungssender. So kann man die Schadstelle oberirdisch auf dem Grundstück exakt anzeichnen, und eine Reparatur beginnt nicht auf gut Glück.
Im Wohnhaus geht es meist um zwei Bereiche: die Grundleitungen unter der Bodenplatte und die Anschlussleitung bis zum öffentlichen Kanal. Zuständig ist hier in aller Regel der Eigentümer, auch für Teile, die man nie zu Gesicht bekommt. Die genaue Grenze legt die Abwassersatzung der Gemeinde fest. Häufige Gründe für eine Inspektion:
- Verstopfungen, die trotz Reinigung immer wieder an derselben Stelle auftreten
- Gluckern, unangenehmer Geruch oder Rückstau aus Kellerabläufen
- Feuchtigkeit an Kellerwänden oder abgesacktes Pflaster über der Leitung
- Erwerb oder Veräußerung eines älteren Gebäudes
- Pläne für Umbau, Anbau oder einen neuen Anschluss
- Aufforderung der Gemeinde oder Grundstück im Wasserschutzgebiet
Drei Bausteine, ein Ablauf: Reinigung, Kamerabefahrung und Dichtheitsprüfung
Welche Schritte nötig sind, richtet sich nach dem Anlass. Bei einer akuten Verstopfung hat die Reinigung Vorrang. Beim Hauskauf zählt die Bestandsaufnahme. Verlangt eine Behörde einen Nachweis, geht es meist um die Dichtheit.
Erst reinigen, dann filmen
Was unter Fett- oder Kalkbelägen liegt, bleibt für die Kamera unsichtbar. Darum wird die Leitung vor der Befahrung in der Regel mit Hochdruck gespült. Wurzeln oder hartnäckige Ablagerungen fräst man bei Bedarf heraus. Verbleiben Verengungen oder Beläge im Rohr, verstecken sich feine Risse oder verschobene Muffen darunter.
Befahrung und Dichtheitsprüfung
Die Kamera zeigt, wo Schäden liegen und wie sie aussehen. Einen Beweis, dass die Leitung unter Belastung dicht ist, liefert sie nicht. Das leistet die Dichtheitsprüfung. Hierbei werden Abschnitte mit Absperrblasen verschlossen und mit Wasser oder Luft beaufschlagt. Danach wird gemessen, ob Wasser nachgefüllt werden muss oder der Druck sinkt. Für bestehende Grundstücksleitungen gilt DIN 1986-30, für neu verlegte Leitungen DIN EN 1610.
Übersicht der drei Bausteine
| Baustein | Was passiert | Was Sie danach wissen |
|---|---|---|
| Reinigung | Hochdruckspülung, bei Bedarf Fräsen von Wurzeln oder harten Ablagerungen | Die Leitung ist frei und für die Kamera einsehbar |
| Kamerabefahrung | Kamera fährt vom Einstieg durch die Leitung, Bild und Meterangabe werden aufgezeichnet | Wo welche Schäden liegen und wie die Leitung verläuft |
| Dichtheitsprüfung | Abschnitte werden verschlossen und mit Wasser oder Luft geprüft | Ob die Leitung dicht ist, als messbarer Nachweis |
Ablauf der TV-Kamerainspektion und Ihre Vorbereitung
Mit wenigen Vorbereitungen geht der Termin schneller, und der Befund sagt mehr aus.
Fünf Schritte zur Vorbereitung
- Zugang schaffenMachen Sie den Revisionsschacht oder die Reinigungsöffnung im Keller bzw. Garten ausfindig und räumen Sie den Bereich frei. Schieben Sie Regale beiseite und entfernen Sie Erde, Kies oder Pflanzkübel vom Schachtdeckel.
- Dokumente bereitlegenAus Entwässerungsplan oder Bauakte geht der Leitungsverlauf hervor. Gibt es keine Unterlagen, kann der Verlauf per Kamera und Ortung ermittelt werden.
- Probleme aufschreibenHalten Sie fest, welcher Abfluss wann auffällig ist, zum Beispiel ein gluckerndes WC beim Duschen oder Wasser im Kellerablauf nach Starkregen. Diese Angaben lenken die Kamera direkt zur passenden Stelle.
- Kein Wasser ablassenSolange die Kamera in der Leitung ist, sollte im Haus kein Wasser abfließen. Starten Sie Wasch- und Spülmaschine erst hinterher und informieren Sie alle im Haushalt.
- Auswertung mitverfolgenVerfolgen Sie das Bild am Monitor und lassen Sie sich Auffälligkeiten erläutern. Erkundigen Sie sich nach der Meterangabe jedes Schadens und ob er im Video festgehalten ist.
Der Ablauf am Termin
Ist die Leitung gereinigt, wird die Kamera über den Einstieg eingeführt. Für Hausleitungen nutzt man überwiegend Schiebekameras an einem biegsamen, aber schubsteifen Kabel, das sich auch durch Bögen schieben lässt. Abhängig vom Modell sind Leitungen ab etwa DN 25 bis DN 50 befahrbar. Für größere Grundleitungen und Kanäle gibt es zusätzlich fahrbare Kamerawagen. An Abzweigen und auffälligen Punkten stoppt die Fachkraft, dreht den Kamerakopf und dokumentiert die Stelle mit Meterangabe.
Typische Kamerabefunde und was sie bedeuten
Ein unbeschädigtes Rohr erscheint am Monitor glatt und ebenmäßig. Jede Abweichung wird mit ihrer Meterangabe festgehalten.
Typische Befunde der Kamera-Inspektion
| Befund | So sieht es im Bild aus | Typische Ursache |
|---|---|---|
| Wurzeleinwuchs | Feine Haarwurzeln bis dichte Wurzelzöpfe, oft an Verbindungen | Bäume und Sträucher in Leitungsnähe |
| Verjüngung/Ablagerungen | Querschnitt durch Fett, Kalk oder Inkrustationen verengt | Küchenfett, hartes Wasser, schwacher Abfluss |
| Riss oder Scherben | Längs- oder Querrisse, fehlende Rohrstücke | Alter, Setzungen, Verkehrslast |
| Versatz an der Muffe | Sichtbare Kante zwischen zwei Rohrstücken | Bodenbewegung, mangelhafte Verlegung |
| Absackung | Stehendes Wasser auf einem Teilstück | Nachgebender oder unterspülter Untergrund |
| Fremdkörper | Feuchttücher, Bauschutt, Mörtelreste | Falsche Entsorgung, frühere Bauarbeiten |
Wurzeln wachsen der Feuchtigkeit im Rohr entgegen. Oft gelangen sie über undichte Muffen oder Risse hinein. Es trifft aber auch Verbindungen, die zwar dicht sind, mechanisch jedoch kaum Widerstand leisten. Durch Fräsen verschwindet die Verstopfung, die Eintrittsstelle aber nicht. Darum kehren Wurzeln in der Regel zurück.
So verstehen Sie das Protokoll
In einen verwertbaren Befund gehören Datum, Adresse, befahrene Strecke und Einstiegspunkt. Für jede Auffälligkeit kommen Meterangabe, Standbild und Beschreibung hinzu. Häufig werden Schäden mit Codes nach DIN EN 13508-2 erfasst. Bitten Sie um eine Erklärung dieser Codes und klären Sie für jeden Schaden die Dringlichkeit. Heben Sie Protokoll und Video auf. Bei einer späteren Inspektion lässt sich so erkennen, ob sich der Zustand verschlechtert hat.
Befund liegt vor: Reinigung, Reparatur oder Inliner-Sanierung?
Viele Befunde lassen sich ohne Bauarbeiten beheben. Ablagerungen und Fremdkörper beseitigt in den meisten Fällen eine gründliche Reinigung. Bauliche Mängel wie Risse oder immer wiederkehrende Wurzeln lassen sich dagegen nicht wegspülen. Sie werden allenfalls für eine Weile entschärft.
Reinigung oder Sanierung: die Unterscheidung
Meist genügt Reinigung
- Fett- und Kalkbeläge ohne Beschädigung der Rohrwand
- Fremdkörper wie Feuchttücher oder Bauschutt
- Einzelne feine Wurzeln, mit Nachkontrolle
- Schlamm in Leitungen mit geringem Gefälle
Sanierung abwägen
- Risse, Scherben oder fehlende Rohrteile
- Deutlicher Versatz an mehreren Verbindungen
- Wurzeln, die nach der Reinigung erneut auftreten
- Absackungen mit ständig stehendem Wasser
- Dichtheitsprüfung nicht bestanden
Inliner, Kurzliner oder Aufgraben
Beim Inliner- bzw. Schlauchliner-Verfahren zieht man einen harzgetränkten Schlauch in die gereinigte Leitung ein, drückt ihn an die Rohrwand und lässt ihn aushärten. Es entsteht ein neues Rohr im alten. Einzelne Schadstellen dichtet ein Kurzliner abschnittsweise ab. Aufgegraben werden muss weiterhin, wenn die Leitung eingestürzt oder stark abgesackt ist oder ihr Verlauf verändert werden soll.
Was den Aufwand bestimmt
- Zugang: Revisionsschacht vorhanden oder Einstieg über WC bzw. Fallrohr
- Leitungslänge und Anzahl der Abzweige
- Reinigungsbedarf vor der Befahrung, etwa wegen Wurzeln oder harter Beläge
- ob eine Dichtheitsprüfung mit Protokoll zusätzlich gefordert ist
- Zeitpunkt: ein Notdiensteinsatz in der Nacht wird anders abgerechnet als ein geplanter Termin
Selbst prüfen: Möglichkeiten von Rohrkamera und Siphon-Reinigung
Günstige Rohrkameras für zu Hause genügen für einen Blick in den Siphon oder die ersten Meter eines Abflusses. Für eine Kanalinspektion eignen sie sich kaum. Ihr Kabel ist meist kurz und zu nachgiebig, um es durch Bögen zu schieben. Es fehlen Meterzählung und Ortung, und als Befund für eine Kaufverhandlung oder die Behörde taugen die Aufnahmen nicht. Wer sie dennoch weit in die Leitung schiebt, riskiert zudem, dass der Kamerakopf in einem Abzweig hängen bleibt.
Siphon reinigen: Das schaffen Sie selbst
Hinter vielen vermeintlichen Rohrproblemen steckt nur der Bereich direkt unter dem Becken. Wer den Siphon regelmäßig säubert, beugt Gerüchen und trägem Abfluss vor. Im Bad genügt das etwa alle drei bis sechs Monate, in der Küche wegen des Fetts eher alle ein bis drei Monate.
- Eimer darunterstellen, Tuch griffbereit halten
- Überwurfmuttern per Hand aufdrehen und Siphon abnehmen
- Inhalt ausleeren, Einzelteile mit Bürste und warmem Wasser reinigen
- Dichtungen kontrollieren, Siphon montieren und handfest anziehen
- Wasser aufdrehen und auf undichte Stellen achten
Fließt das Wasser weiterhin schlecht ab, liegt die Ursache tiefer. Bei Verstopfungen in Anschluss- und Fallleitungen hilft eine Rohrspirale in den handelsüblichen Längen von etwa 15 bis 20 Metern. Bei Grundleitungen unter der Bodenplatte kommt man in Eigenregie jedoch an Grenzen.
Kanalinspektion in Hannover und Umgebung: lokale Besonderheiten
Viele Gebäude in Hannover liegen in gewachsenen Quartieren wie Linden, der List oder der Südstadt. Unter diesen Altbauten finden sich oft noch ältere Leitungen, häufig aus Steinzeug mit Muffenverbindungen. Nach Jahrzehnten voller Bodenbewegungen sind sie nicht mehr überall dicht. Hinzu kommt alter Baumbestand in Gärten und entlang der Straßen, ein typischer Auslöser für Wurzeleinwuchs. Auch in den Kommunen der Region, etwa Langenhagen oder Laatzen, stehen zahlreiche ältere Einfamilienhäuser.
Ob für Ihr Grundstück eine Dichtheitsprüfung vorgeschrieben ist, ergibt sich aus der Abwassersatzung Ihrer Gemeinde. Innerhalb der Stadt Hannover informiert die Stadtentwässerung, im Umland die zuständige Gemeinde oder der Abwasserbetrieb. In Wasserschutzgebieten gelten häufig strengere Regeln. Auch ohne Verpflichtung ist eine Inspektion besonders vor einem Hauskauf sinnvoll. Der Kamerabefund klärt, ob unter dem Gebäude eine Sanierung fällig ist, noch bevor der Kaufvertrag unterschrieben wird.
Kanalservice Reiter arbeitet in Hannover und der Region und übernimmt Kanal-TV-Untersuchungen samt vorheriger Reinigung. Die fachliche Verantwortung trägt Inhaber Mahmoud H M Fares. Der Betrieb verfügt über rund vier Jahre Erfahrung in der Rohr- und Kanaltechnik. Die Beratung vor Ort kostet nichts, und die Preise werden im Voraus verständlich erläutert. In Notfällen ist der Betrieb rund um die Uhr erreichbar.





